Georg J. Daxer

Kurze Begehung eines Wortfeldes

Neologismen sind eine spannende Sache. Ein Wort herzunehmen, in eine andere Wortart überzuführen und mit allerlei Präpositionen oder Affixen zu schmücken, kann nicht nur von ungemein nützlicher Kurzweil sein, sondern Bedeutungsverschiebungen erzeugen, die vielleicht sogar irgendwann mal nützlich sein könnten. Einer, der so etwas mit Vergnügen macht, ist der L. Der L. ist demgemäß ein regelrechter Neologist, und er hat letztens in einem seiner heiteren Blogeinträge ein Wort kreiert, das mir viel Freude bereitete und dessen Wortfeld ich nun ein wenig abwandern möchte.

Ausgehen möchte ich von L.s Satz: […], dass der Erfolgsmensch dann, wenn er merkt, dass sein Erfolg ausbleibt, beginnt vor sich hin zu bittern.

Hier begegnet uns das ursprüngliche Adjektiv bitter in Form eines Verbs, genauer: in der Wendung vor sich hin bittern.

Besondere Erwähnung sollten auch die passivischen Konstruktionen finden. Man lasse die folgenden einfachen Beispielsätze einmal auf sich wirken:

Im ersten Fall wird jene Bedeutungskomponente, welche die Aktivität des In-sich-hinein-Bitterns ausmacht, vollkommen ausgelöscht und es entsteht ein eigenartiges, fast mythologisch anmutendes Bild eines völlig entmachteten Menschen, der von Bitterkeit durchdrungen wird, nein: in den Bitterkeit eindringt.
Aber auch die zweite Variante ist nicht weniger drastisch. Die Passivkonstruktion nimmt dem ursprünglichen Aus-sich-heraus-Bittern zwar das Aggressive, aber um den Preis, dass wir uns den Menschen, aus dem es herausbittert, nur mehr als leichenhaftes, von Bitterkeit durchtränktes Etwas vorzustellen vermögen. Ein trauriges, ein schockierendes Bild.

Doch bietet das Feld des Bitterns noch viele andere Möglichkeiten, mit Worten Bilder von grausigster Anschaulichkeit zu erzeugen. Nicht auszudenken, welch großartige Sätze man mit Konstruktionen wie zerbittern, erbittern, umbittern, einbittern, nachbittern oder ausbittern bilden könnte. Dies diene aber nur als Denkanstoß für die nächste Urlaubspostkarte oder den jährlichen Weihnachtsbrief an entfernte Verwandte.

Viel Spaß beim Bittern!